E-Rechnungspilot

Formate

XRechnung vs. ZUGFeRD: Unterschiede, Vor- und Nachteile, Entscheidungshilfe

Beide Formate erfüllen die EN 16931 – trotzdem gibt es wichtige Unterschiede. Welches Format Sie für Behörden, Geschäftskunden und Ihre eigene Buchhaltung wählen sollten.

Stand: Oktober 2026Aktualisiert am 5 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • XRechnung ist reines XML – ohne menschenlesbare Ansicht.
  • ZUGFeRD ist hybrid: PDF/A-3 mit eingebetteter XML-Datei.
  • Beide sind gesetzeskonforme E-Rechnungen, ZUGFeRD aber erst ab Profil EN 16931 (bzw. BASIC).
  • Behörden verlangen meist XRechnung, Geschäftskunden akzeptieren in der Regel beides.

Wer sich mit der E-Rechnungspflicht beschäftigt, stößt schnell auf zwei Begriffe: XRechnung und ZUGFeRD. Beide Formate sind in Deutschland etabliert, beide basieren auf der europäischen Norm EN 16931 – und trotzdem sind sie nicht austauschbar. In diesem Artikel erfahren Sie, worin sich die Formate unterscheiden, welche Varianten es gibt und welches Format für Ihr Unternehmen sinnvoll ist.

Die gemeinsame Basis: EN 16931

Die Norm EN 16931 legt ein semantisches Datenmodell für elektronische Rechnungen fest: welche Informationen eine Rechnung enthält (zum Beispiel Rechnungsnummer, Leistungsdatum, Steuerbeträge), wie sie heißen (Business Terms wie BT-1 für die Rechnungsnummer) und welche Geschäftsregeln gelten. Die Norm definiert außerdem zwei zulässige Syntaxen, also technische Darstellungen in XML:

  • UBL 2.1 (Universal Business Language, OASIS)
  • UN/CEFACT Cross Industry Invoice (CII) in der Version D16B

Sowohl XRechnung als auch ZUGFeRD setzen auf diesem Modell auf. Der Unterschied liegt darin, wie die Daten verpackt werden und welche zusätzlichen Regeln gelten.

Was ist XRechnung?

Die XRechnung ist der deutsche Standard für elektronische Rechnungen an die öffentliche Verwaltung. Technisch ist sie eine sogenannte CIUS (Core Invoice Usage Specification) der EN 16931 – also eine nationale Konkretisierung mit zusätzlichen Pflichtfeldern. Herausgegeben und gepflegt wird sie von der KoSIT (Koordinierungsstelle für IT-Standards) in Bremen.

Eine XRechnung ist eine reine XML-Datei in UBL- oder CII-Syntax. Sie enthält keine Bilddarstellung; um sie zu lesen, braucht man eine Software oder einen Viewer wie unseren kostenlosen XRechnung Viewer. Gegenüber der reinen EN 16931 verlangt XRechnung unter anderem:

  • eine Käuferreferenz (BT-10) – bei Behörden die Leitweg-ID,
  • Kontaktdaten des Verkäufers (Name, Telefon, E-Mail),
  • elektronische Adressen von Verkäufer und Käufer,
  • Zahlungsinformationen wie IBAN oder Angaben zur Zahlungsart.

Was ist ZUGFeRD?

ZUGFeRD („Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland“) wurde vom FeRD entwickelt und ist seit Version 2 technisch identisch mit dem französischen Standard Factur-X. Eine ZUGFeRD-Rechnung ist eine PDF/A-3-Datei, in die eine XML-Datei in CII-Syntax eingebettet ist. Der Mensch sieht eine ganz normale PDF-Rechnung, die Software liest die strukturierten Daten aus der XML.

Dieser hybride Ansatz ist der größte Vorteil von ZUGFeRD: Empfänger ohne E-Rechnungs-Software können die Rechnung wie gewohnt öffnen und ausdrucken, während moderne Buchhaltungssysteme die Daten automatisch übernehmen. Rechtlich maßgeblich ist bei einer E-Rechnung allerdings der strukturierte XML-Teil.

Die ZUGFeRD-Profile

ZUGFeRD kennt mehrere Profile mit unterschiedlichem Datenumfang. Nicht jedes Profil ist eine E-Rechnung im Sinne von § 14 UStG:

ZUGFeRD-Profile und ihre Eignung als E-Rechnung

Profil Inhalt Als E-Rechnung zulässig?
MINIMUM Nur Kopfdaten für die Buchung, keine Positionen Nein
BASIC WL Kopfdaten und Summen, keine Positionen Nein
BASIC Kerndaten inkl. Positionen, Teilmenge der EN 16931 Ja
EN 16931 (COMFORT) Vollständiges Datenmodell der Norm Ja – empfohlen
EXTENDED EN 16931 plus zusätzliche Felder für komplexe Fälle Ja
XRECHNUNG ZUGFeRD-Verpackung mit XRechnung-Regeln Ja

Die Unterschiede auf einen Blick

Merkmal XRechnung ZUGFeRD
Dateityp XML PDF/A-3 mit eingebetteter XML
Für Menschen lesbar Nur mit Viewer/Software Ja, wie jede PDF
Syntax UBL 2.1 oder CII CII
Herausgeber KoSIT FeRD (mit Frankreich: Factur-X)
Typischer Einsatz Rechnungen an Behörden (B2G) Rechnungen an Unternehmen (B2B)
Leitweg-ID Für Behörden erforderlich Optional (Profil XRECHNUNG für Behörden)
Akzeptanz bei Behörden Standard Oft nicht akzeptiert – vorher klären

Welches Format sollten Sie wählen?

Sie schreiben Rechnungen an Behörden

Dann führt an der XRechnung kaum ein Weg vorbei. Der Bund und die meisten Länder verlangen sie über ihre Rechnungseingangsplattformen. Achten Sie auf die korrekte Leitweg-ID, die Ihnen der Auftraggeber mitteilt, und auf die Pflichtfelder. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie unter XRechnung erstellen.

Sie schreiben Rechnungen an Unternehmen

Hier ist ZUGFeRD oft die pragmatischste Wahl: Der Empfänger kann die Rechnung sofort lesen, auch wenn er noch keine E-Rechnungs-Software nutzt. Fragt ein Kunde ausdrücklich nach XRechnung – etwa weil sein ERP-System darauf eingestellt ist –, stellen Sie ihm diese aus. Rechtlich sind beide Formate gleichwertig, solange das ZUGFeRD-Profil mindestens BASIC bzw. EN 16931 entspricht.

Sie haben beide Kundengruppen

Dann sollte Ihre Software beide Formate aus denselben Daten erzeugen können. Genau so arbeitet unser Tool: Sie erfassen die Rechnung einmal und wählen pro Kunde, ob eine ZUGFeRD-PDF, eine XRechnung in UBL oder eine XRechnung in CII entsteht.

UBL oder CII – spielt die Syntax eine Rolle?

Für die meisten Unternehmen nicht. Beide Syntaxen bilden dasselbe Datenmodell ab, und Empfänger müssen grundsätzlich beide verarbeiten können. Bei Behörden ist UBL etwas verbreiteter; ZUGFeRD verwendet immer CII. Entscheidend ist, dass die Datei die Geschäftsregeln einhält – das prüfen Sie am besten vor dem Versand mit einem Validator wie unserem E-Rechnung Validator, der auf dem offiziellen KoSIT-Prüfwerkzeug basiert.

Häufige Fehler bei der Formatwahl

  • ZUGFeRD im Profil MINIMUM oder BASIC WL verschicken und glauben, damit die Pflicht zu erfüllen.
  • PDF und XML widersprechen sich – etwa weil die PDF nachträglich bearbeitet wurde. Maßgeblich ist dann die XML.
  • XRechnung ohne Leitweg-ID an eine Behörde senden – die Rechnung wird in der Regel abgelehnt.
  • Keine Validierung vor dem Versand – Fehler fallen erst beim Empfänger auf und verzögern die Zahlung.

Häufige Fragen

Ist ZUGFeRD eine gültige E-Rechnung?

Ja, ab dem Profil BASIC bzw. EN 16931. Die Profile MINIMUM und BASIC WL erfüllen die Anforderungen an eine E-Rechnung nach § 14 UStG nicht.

Kann ich einer Behörde eine ZUGFeRD-Rechnung schicken?

Nur wenn die Behörde das akzeptiert. Die meisten öffentlichen Auftraggeber verlangen XRechnung (oder ZUGFeRD im Profil XRECHNUNG). Klären Sie das vorab mit dem Auftraggeber.

Ist Factur-X dasselbe wie ZUGFeRD?

Seit ZUGFeRD 2 sind beide Standards technisch identisch. Factur-X ist die französische Bezeichnung, ZUGFeRD die deutsche.

Passende kostenlose Tools

Hinweis: Dieser Artikel gibt den Stand Oktober 2026 wieder und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Für Ihren Einzelfall wenden Sie sich bitte an Ihre Steuerberaterin oder Ihren Steuerberater.